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| Michael Heinrich "Kritik... |
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Wurde hier eigentlich schon über das Buch von Michael Heinrich "Kritik der politischen Ökonomie" diskutiert? (Mit der Suche habe ich nur wenige Beiträge gefunden, die das Buch erwähnen.) Bin gerade auf Seite 100 und finde es überraschend gut. Hat schon jemand Fehler oder Ungenauigkeiten gefunden oder gibt es sonst Kritik, die man beim Lesen im Hinterkopf behalten sollte? Jedenfalls hat Huisken auf dem Berliner Vortrag einen Schuß ins Blaue abgegeben, als er meinte es wäre nicht berücksichtigt worden, dass das Kapital als Kritik gemeint gewesen sei. Diesen Punkt arbeitet Heinrich sogar sehr gut heraus.
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23.06.2005 19:27 |
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Danke für den Verweis. Ich stell mal die strittige Stelle zum tendenziellen Fall der Profitrate hier rein. Vielleicht äußert sich jemand dazu: Michael Heinrich, Kritik der politischen Ökonomie S. 150-153
"Tendenzieller Fall der Profitrate und kapitalistische Produktivkraftentwicklung sind für Marx zwei Seiten derselben Medaille. Könnte Marx diesen Zusammenhang schlüssig nachweisen dann hätte er in der Tat gezeigt, dass der Fall der Profitrate zum «Wesen» des Kapitalismus gehört. Wir werden uns nun detaillierter mit Marx Argumentation auseinander setzen.
Wenn die Durchschnittsprofitrate fällt, dann müssen zwar nicht die Profitraten aller Einzelkapitale fallen, aber doch der meisten oder der größten Einzelkapitale. Ist der Fall der Profit-rate tatsächlich eine typische Tendenz, dann muss er sich auch an einem typischen Einzelkapital demonstrieren lassen. Auf ein solches typisches Einzelkapital beziehen sich die Marxschen Argumente. Wie Marx argumentieren auch wir im Folgenden auf der Wertebene (Produktionspreise bringen zusätzliche Komplikationen mit sich), sehen von fixem Kapital ab und unterstellen eine stets gleiche Umschlagszeit von einem Jahr. Das Produkt hat dann den Wert c + v + m und die Profitrate beträgt m / (c + v).
Wie in Kapitel 5 diskutiert wurde, hat Produktivkraftsteige-rung mittels Maschinerie zur Folge, dass sowohl die Mehrwer-trate m/v als auch die Wertzusammensetzung des Kapitals c/v zunehmen. Die quantitative Entwicklung dieser beiden Größen ist entscheidend für die Bewegung der Profitrate. Dividiert man in der obigen Profitratenformel Zähler und Nenner durch v (wir kürzen den Bruch durch v, ändern also nicht den Zahlenwert des Bruches), dann erhalten wir für die Profitrate den Ausdruck:
m ...............m/v .............m/v
------- = ----------- = ---------
c + v ......c/v + v/v.........c/v + 1
(Die Punkte wegdenken) Hier werden Mehrwertrate und Wertzusammensetzung als Determinanten der Profitrate sichtbar. Marx stützt seine Begründung für den tendenziellen Fall der Profitrate auf das Steigen von c/v. Würde m/v unverändert bleiben, dann würde das Steigen von c/v automatisch zu einem Sinken der Profitrate führen (der Zähler unseres Bruches bliebe konstant, der Nenner wächst, damit vermindert sich der Wert des Bruches). Allerdings behauptet Marx, dass die Profitrate auch bei steigender Mehrwertrate falle. Steigt sowohl die Mehrwertrate m/v als auch die Kapitalzusammensetzung c/v, dann fällt die Profitrate nur, wenn c / v + 1 (der Nenner unseres Bruches) schneller steigt als m/v (der Zähler). Um nachzuweisen, dass die Profitrate zwangsläufig fällt, reicht der Nachweis nicht aus, dass c/v steigt, es muss vielmehr gezeigt werden, dass c/v in einem bestimmten Aus maß steigt, nämlich so stark, dass die gerade genannte Bedin-gung erfüllt ist. Und hier liegt die grundlegende Schwierigkeit für jeden Beweis des «Gesetzes vom tendenziellen Fall der Profitrate»: Über das Ausmaß des Steigens von c/v ist eine allgemeine Aussage gar nicht möglich. In einem Fall kann eine bestimmte Produktivkraftsteigerung durch eine kleine Menge an zusätzlichem konstantem Kapital erreicht werden; c/v steigt dann nur wenig, was zu Folge haben kann, dass die Profitrate aufgrund der steigenden Mehrwertrate steigt und nicht fällt. In einem anderen Fall ist für dieselbe prozentuale Produktiv-kraftsteigerung eine große Menge an zusätzlichem konstan-tem Kapital notwendig; c/v steigt dann stark, eventuell sinkt die Profitrate.
Auch Marx versucht nicht den direkten Nachweis zu führen, dass c/v stets in einem solchen Ausmaß wächst, dass die Profitrate fällt. Er geht stattdessen vom Umfang des Mehrwerts (der Mehrwertmasse) aus. Der gesamte Mehrwert eines Kapi-tals ergibt sich aus dem durchschnittlichen Mehrwert pro Kopf multipliziert mit der Anzahl N der Arbeitskräfte, wobei der durchschnittliche Mehrwert pro Kopf gleich der Mehrwertrate m/v multipliziert mit dem durchschnittlichen Lohn pro Kopf vk ist. Für den gesamten Mehrwert m gilt also
m = m/v x Vk x N
Sinkt die Anzahl der Arbeitskräfte, dann vermindert sich der produzierte Mehrwert. Steigt aber gleichzeitig die Mehrwert-rate, dann kann das Sinken der Zahl der Arbeitskräfte kompen-siert werden und es wird dieselbe Mehrwertmasse produziert allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen, denn der Mehr-wert pro Kopf kann nicht beliebig groß werden. Dies lässt sich an einem einfachen Beispiel (vgl. MEW 25, S. 257 f.) demon-strieren. Nehmen wir an, 24 Arbeitskräfte leisten jeden Tag zwei Stunden Mehrarbeit, dann ergibt dies insgesamt 48 Stun-den Mehrarbeit. Sinkt nun die Anzahl der Arbeitskräfte auf zwei, dann können diese zwei Arbeitskräfte pro Tag nicht ebenfalls 48 Stunden Mehrarbeit liefern, egal wie groß die Mehrwertrate ist. Dieses Ergebnis lässt sich verallgemeinern: Nimmt die Zahl der beschäftigten Arbeitskräfte nur stark genug ab, dann nimmt irgendwann auch die von ihnen produzierte Mehrwertmasse ab, egal wie stark die Mehrwertrate steigt.
Mit dieser Überlegung glaubte Marx, das Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate ausreichend bewiesen zu haben. Dies ist aber nicht der Fall. Eine sinkende Mehrwertmasse m zeigt nur dann mit Sicherheit einen Fall der Profitrate an, wenn das Gesamt-kapital c + v, das zur Produktion dieser Mehrwertmasse notwen-dig ist, nicht ebenfalls gefallen, sondern mindestens gleich geblie-ben ist. Und dies setzt Marx in seinem Beispiel stillschweigend voraus. Allerdings ist diese Annahme nicht unproblematisch. Werden, um bei dem Beispiel zu bleiben, statt 24 Arbeiter nur noch zwei beschäftigt, dann sind entsprechend weniger Löhne zu zahlen. Bei gleich bleibendem Wert der Arbeitskraft würde sich das variable Kapital auf ein Zwölftel des alten Werts vermindern. Da aber die Mehrwertrate enorm ansteigt, vermindert sich auch der Wert der Arbeitskraft enorm, für die beiden verbleibenden Arbeitskräfte wäre also weit weniger als ein Zwölftel des früheren variablen Kapitals aufzuwenden. Damit das Gesamtkapital gleich groß bleibt, reicht es somit nicht, dass das konstante Kapital c überhaupt zunimmt, es muss vielmehr um einen bestimmten Betrag zunehmen, nämlich um so viel wie das variable Kapital abgenommen hat. Ob dies der Fall ist oder nicht, lässt sich auf einer allgemeinen Ebene aber überhaupt nicht beantworten: Wir wissen nicht, ob die Produktivkraftsteigerung mit viel oder mit wenig zusätzlichem konstantem Kapital bewirkt wurde.
Steigt das konstante Kapital aber nicht so stark, um die Verminderung des variablen Kapitals auszugleichen, dann sinkt das vorgeschossene Gesamtkapital. Wir haben in diesem Fall eine sinkende Mehrwertmasse bei sinkendem Kapital. Ob die Profitrate fällt, hängt dann davon ab, wer schneller fällt: die Mehrwertmasse oder das vorgeschossene Kapital. Fällt die Mehrwertmasse schneller, dann sinkt die Profitrate, fällt das vorgeschossene Kapital schneller, dann steigt die Profitrate trotz gesunkener Mehrwertmasse.
Im Gegensatz zu Marx können wir also nicht von einem «Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate» ausgehen. Das heißt nicht, dass die Profitrate nicht fallen könnte, sie kann sehr wohl fallen, sie kann aber auch steigen. Eine dauerhafte Ten-denz zum Profitratenfall lässt sich auf der allgemeinen Ebene, auf der Marx im «Kapital» argumentiert, nicht begründen.42 (42 Eine Auseinandersetzung mit Positionen, die das Marxsche «Ge-setz» verteidigen, sowie eine Diskussion weiterer Aspekte dieses «Gesetzes» findet sich in Heinrich (1999, S .327 ff).)
Die Frage ist nun, ob die Marxsche Ökonomiekritik mit dem «Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate» tatsächlich so viel verliert. Viele Marxisten sahen in diesem «Gesetz» die Grundlage der Marxschen Krisentheorie, weshalb auch so ve-hement darum gestritten wurde. In Kapitel 9 werden wir jedoch sehen, dass die Marxsche Krisentheorie keineswegs auf dieses «Gesetz» angewiesen ist.
Für Marx brachte dieses Gesetz allerdings noch etwas All-gemeineres zum Ausdruck, nämlich «daß die kapitalistische Produktionsweise an der Entwicklung der Produktivkräfte eine Schranke findet, die nichts mit der Produktion des Reichtums als solcher zu tun hat; und diese eigentümliche Schranke bezeugt die Beschränktheit und den nur historischen, vorübergehenden Charakter der kapitalisti-schen Produktionsweise» (MEW25, S. 252).
Die Beschränktheit der kapitalistischen Produktionsweise kommt aber bereits darin zum Ausdruck, dass die Entwicklung der Produktivkräfte und die Produktion des Reichtums der Verwertung des Werts untergeordnet sind und dieser bornierte Zweck eine Fülle von Destruktionskräften gegenüber Mensch und Natur freisetzt. Ob nun der kapitalistisch-buchhaltungs-mäßige Ausdruck der Verwertung steigt oder fällt, ändert nichts am grundsätzlich bornierten Charakter der kapitalistischen Produktionsweise."
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08.07.2005 00:00 |
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Also so wie ich das bei Marx verstanden habe, ist das Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate nur ein "der kapitalistischen Produktionsweise eigentümlicher Ausdruck für die fortschreitende Produktivkraft der Arbeit". "Es ist damit nicht gesagt, daß die Profitrate nicht auch aus andren Gründen vorübergehend fallen kann, aber es ist damit aus dem Wesen der kapitalistischen Produktionsweise als eine selbstverständliche Notwendigkeit bewiesen, daß in ihrem Fortschritt die allgemeine Durchschnittsrate des Mehrwerts sich in einer fallenden allgemeinen Profitrate ausdrücken muß. Da die Masse der angewandten lebendigen Arbeit stets abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr in Bewegung gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv konsumierten Produktionsmittel, so muß auch der Teil dieser lebendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich in Mehrwert vergegenständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis stehn zum Wertumfang des angewandten Gesamtkapitals. Dies Verhältnis der Mehrwertsmasse zum Wert des angewandten Gesamtkapitals bildet aber die Profitrate, die daher beständig fallen muß."
Fortschreitende Produktivkraft der Arbeit bedeutet also, dass lebendige Arbeit v abnimmt gegenüber der von ihr in Bewegung gesetzten toten Arbeit, dem konstanten Kapital c. Nehmen wir ein Kapital von 80 als repräsentstiven Ausschnitt der Zusammensetzung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals. 20 v produzieren mit 60 c, einen Mehrwert von 20 m. Diese Zusammensetzung ändere sich nun durch die Produktivkraftentwicklung der Arbeit. Die betrachtete Kapitalgröße als Repräsentant des gesellschaftlichen Gesamtkapitals bliebe gleich. 10 v produzieren nun mit 70 v einen Mehrwert von x m. Sinke die Profitrate nicht, sondern bliebe gleich, so müsse 10 v den selben Mehrwert produzieren, den vorher 20 v produziert haben, also 20. Das heißt die Mehrwertrate müßte von 100% auf 200% gestiegen sein, um die Verminderung von v gegenüber c auszugleichen. Der verminderte Lohnbestandteil müßte immer den selben Mehrwert produzieren, egal wie sehr er gegenüber c abnimmt.
Die Frage ist nun, ob die Veränderung der organischen Zusammensetzung des Kapitals nur unter dieser Bedingung geschieht. Das tut sie nicht, weil das individuelle Kapital die Produktivität der Arbeit erhöht, um einen Extraprofit zu erzielen. Dieser Extraprofit schmilzt aber wieder weg, sobald sich die Produktivitätsvorsprung in der Sphäre verallgemeinert hat. Eine Erhöhung der Mehrwertrate erfolgt bei unverändertem Arbeitstag und gleichbleibender Arbeitsintensität durch Verbilligung der Lebensmittel, die in die Reproduktion des Arbeiters eingehen. Diese Veränderung der Mehrwertrate ist eine Folge der Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit in Sphären, die Lebensmittel für Arbeiter produzieren. Man kann zwar sagen, dass die allgemeine Produktivkraftentwicklung notwendig die Arbeitskraft verbilligt und die Mehrwertrate erhöht. Aber in welchem Umfang das geschieht ist unklar. Eine gleichbleibende Profitrate unterstellt aber eine direkte unmittelbare Abhängigkeit in einem bestimmten Umfang. Sie kann unter bestimmten Bedingungen auch mal gleichbleiben (tendezieller Fall, entgegenwirkende Ursachen) aber sie muss es nicht. Die Produktivkraftentwicklung macht sich nicht abhängig von der Vergrößerung der Mehrwertrate, sondern umgekehrt. Daher ist es m.E. richtig vom tendenziellen Fall der Profitrate zu sprechen.
Komisch finde ich, dass Heinrich das Fallen der Profitrate von einer Steigerung des konstanten Kapitals in gewissem Ausmaß abhängig macht. "Damit das Gesamtkapital gleich groß bleibt, reicht es somit nicht, dass das konstante Kapital c überhaupt zunimmt, es muss vielmehr um einen bestimmten Betrag zunehmen, nämlich um so viel wie das variable Kapital abgenommen hat." Von welchem Gesamtkapital spricht Heinrich da? Es geht hierbei um die verhältnissmäßige Zusammensetzung (c,v) des Gesamtkapitals und da ist doch klar, dass der Abnahme des einen einer relativen Zunahme des anderen entspricht
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09.07.2005 17:58 |
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Ich werde gleich mal beginnen, shenlin sus Ausführungen anzusehen. Vorher lohnt es sich vielleicht, nochmal hier http://kf.x-berg.de/forum/thread.php?threadid=768 vorbeizuschauen.
__________________ "Ersteinmal wurde dieser Beitrag gestartet, weil es immer noch Personen[...]gibt, die in ihrer Ignoranz bzw. Dummheit oder in ihren politischen Weltbildern gefangen sind."
klick
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09.07.2005 22:27 |
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| Zitat: |
Original von shenlin su
Komisch finde ich, dass Heinrich das Fallen der Profitrate von einer Steigerung des konstanten Kapitals in gewissem Ausmaß abhängig macht. "Damit das Gesamtkapital gleich groß bleibt, reicht es somit nicht, dass das konstante Kapital c überhaupt zunimmt, es muss vielmehr um einen bestimmten Betrag zunehmen, nämlich um so viel wie das variable Kapital abgenommen hat." Von welchem Gesamtkapital spricht Heinrich da? Es geht hierbei um die verhältnissmäßige Zusammensetzung (c,v) des Gesamtkapitals und da ist doch klar, dass der Abnahme des einen einer relativen Zunahme des anderen entspricht |
Der nächste Absatz bei H. (http://www.all4all.org/2005/03/1497.shtml):
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| Steigt das konstante Kapital aber nicht so stark, um die Verminderung des variablen Kapitals auszugleichen, dann sinkt das vorgeschossene Gesamtkapital. Wir haben in diesem Fall eine sinkende Mehrwertmasse bei sinkendem Kapital. Ob die Profitrate fällt, hängt dann davon ab, wer schneller fällt: die Mehrwertmasse oder das vorgeschossene Kapital. Fällt die Mehrwertmasse schneller, dann sinkt die Profitrate, fällt das vorgeschossene Kapital schneller, dann steigt die Profitrate trotz gesunkener Mehrwertmasse. |
Es ging in dem Fall darum, dass die 2 Arbeiter nicht soviel Mehrwertmasse wie 24 erarbeiten können. Dies impliziert unter der Annnahme c + v = const. ein Sinken der Mehrwertrate.
Wenn jedoch gleichzeitig (c + v) sinkt, folgt aus dem Sinken der Mehrwertmasse nicht zwingend ein Sinken der Mehrwertrate. Heinrich sagt dann, dass die Annahme c+v = const. nicht auf der Ebene des KAPITALs begründbar sei.
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10.07.2005 00:49 |
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Das Arbeiterbeispiel führt in die Irre, weil die Relation zum vorgeschossenen Kapital fehlt. Mag sein, dass Heinrich Recht hat und der Beweis der tendenzieller Fall der Profitraten so nicht funktioniert. Vielleicht gelingt er jedoch anders. Einen Gegenbeweis hat Heinrich ja auch nicht geliefert. Heinrich hält die Mehrwertmasse fest und fragt dann unter welchen Bedingungen die Profitrate fällt. Das passiert wenn C zunimmt und das geschieht wiederum, wenn das konstante Kapital den Fall von v ausgleicht. Hier wird das Problem jedoch von hinten aufgezäumt, weil die relative Vergrößerung des konstanten Kapitals außer Frage steht.
Marx sagt ja der tendenzieller Fall der Profitraten sei nur ein anderer Ausdruck für eine größere Produktivkraft der Arbeit bzw. einer anderen organische Zusammensetzung des Kapitals. Der TdfdP ist also auch nicht die Ursache, sondern das Resultat einer Entwicklung. Nach diesem "Gesetz" richtet sich nichts, es beschreibt nur die Gesetzmäßigkeit eines Resultats. Die Vergrößerung von c gegenüber v wird in der Überlegung vorausgesetzt. Man nimmt sich einen AUsschnit aus dem gesellschaftlichen Gesamtkapital. Dabei ist es gleichgültig, ob man nun mit 80 oder 160 rechnet. Also angenommen man hat insgesamt 80, bestehend aus 60c und 20v. Diese 80 produzieren bei einer Mehrwertrate von 100% 20m. Wechselt nun die organische Zusammensetzung des Kapitals müßten 70c und 10v einen Mehrwert von ebenfals 20 hervorbringen um die selbe Profitrate zu erzielen. Das entspräche einem Anstieg der Mehrwertrate von 100 auf 200%. Wie sich nun die Veränderung von c/v in der Mehrwertrate niederschlägt, wissen wir nicht. Man kann aber die Bedingung angeben unter der die Profitrate nicht fällt. Egal wie stark v genüber c fällt, die Mehrwertrate muss so stark steigen, dass ein vermindertes v die gleiche Menge m produziert. Marx nennt den Anstieg der Mehrwertrate eine entgegenwirkende Ursache.
Nun kann man aber sagen, dass diese Bedingung, der kompensierende Anstieg der Mehrwertrate, nicht die Bedingung dafür ist, dass das konstante Kapital relativ zu v wächst. Neue Maschinerie wird angeschafft, wenn der zusätzlich durch die neue Maschinerie übertragene Wertteil pro Produkt kleiner ausfällt als der dadurch ersparte Lohnanteil. Hat sich die neue organische Zusammensetzung des Kapitals in einer Sphäre allgemein durchgesetzt, fällt der Extraprofit weg und es wird wie vorher Durchschnittsprofit verdient. Da nun weniger Wert im Produkt steckt als vorher, fallen die Preise. Auf den Lohn und die Mehrwertrate wirkt sich das aber nur aus, wenn das Produkt zur Reproduktion des Arbeiters gehört. Die Erhöhung der Mehrwertrate ist also nur eine Wirkung (die dem tendenzieller Fall der Profitraten entgegengesetzt wirkt) der Produktivkraftentwicklung, aber sie ist nicht ihre Bedingung. Um die Profitrate nicht sinken zu lassen, ist aber eine Mehrwertratensteigerung notwendig und sogar ein gewisses Mindestmaß an Mehrwertratensteigerung notwendig. Es ist aber gar nicht ersichtlich, wieso bei einer Änderung der organischen Zusammensetzung eine Mehrwertratensteigerung jenseits dieses Mindestmaßes automatisch erfolgen soll.
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10.07.2005 18:32 |
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Habe sein Buch jetzt gelesen und bin der Auffassung, dass es - ich fand es erstaunlich gut - sehr viele richtige Argumente, gute Abweise etc. enthält.
Was mich von Anfang an verwundert hat, war, dass es den Warenfetisch und überhaupt das Denken der Leute so in den Vordergrund stellt. Das selbst ist natürlich nicht falsch, aber schon merkwürdig, wenn es um eine Einführung in die Erklärung des Kapitalismus geht. Die gelingt ihm, soweit ich es überschauen kann, ganz gut.
Nun aber zur Kritik, zunächst einmal in Kurzform.
Heinrich macht einen total zentralen und sehr folgenschweren Fehler:
1. Im Warenfetischabschnitt schreibt er (S.73):
"diese sachliche Herrschaft, die Unterwerfung unter ´Sachzwänge´, existiert aber nicht etwa, w e i l (!) die Sachen an sich bestimmte Eigenschaften besitzen würden, die diese Herrschaft hervorbringen ..., sondern nur deshalb, weil (!) sich die Menschen in einer besonderen Weise auf diese Sachen beziehen - nämlich als Waren"
Was ja stimmt, ist, dass der Wert keine Eigenschaft des Reichtums an und für sich ist, und was auch stimmt, ist, dass die Leute sich dem Wert im Austausch unterwerfen, dass im Austausch nicht die Berechnugnen der Warenbesitzer, sondern der Wert regiert.
Er will aber hier noch mehr gesagt haben. Er kritisiert - bis jetzt immer noch alles richtig was er sagt - das Alltagsbewußtsein, er sagt, dass es lauter Fehler macht und auch die Berechnung, Ware als Mittel für Bedürfnis, ein Fehler ist, weil sie die Unterwerfung des Bedarfs unter den Wert darstellt. Auch, dass das Alltagsbewußtsein den Waren Wert zumisst, weil sie ja auch welchen haben - "es erscheint wie es ist" - kritisiert er. Alles richtig.
Aber:
Der Grund für den Austausch sieht er nicht im von der Staatsgewalt erzwungenen Privateigentum - hier zumindest nicht! - sondern, und das ist der ganze harte, abstrakte Fehler vom Heinrich: Im Fehler, den die Menschen machen, aber auch lassen könnten, aber auf jeden Fall machen sie ihn.
Das ist zunächst einmal sehr unglaubwürdig: Warum soll denn eine "Sache", bloß weil sich ihr ein Mensch unterwirft, auch auf einmal wirklich eine Zwangsmacht gegenüber dem Menschen sein? Wenn der es sich anders überlegt, müsste die Macht des "Fetisch" über ihn ja gebrochen sein. So ist es ja auch in der Religion, die Herr Heinrich - an Marx anlehend - auch zitiert. Kaum glaubt ein Mensch nicht mehr an Gott, ist die "Macht Gottes" über ihn, die es ja nie gab - es war doch nur sein Entschluß sich selbst zu erniedrigen - gebrochen.
Nur: Schon mal versucht, den "Fehler" sein zu lassen, mit Geld einzukaufen? Warum haben denn die Sachen eine Gewalt über die Leute? - Doch bloß deshalb, weil die "Menschen" eben nicht nur "Menschen" sind, sondern "Bürger", d.h. Leute, die in einem staatlichen Zwangszusammenhang stehen, in dem eine höhere Gewalt ihnen ihre Lebensbedingungen diktiert. Die zwingt sie zum Eigentum, und da bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als den "Fehler" zu begehen, zu tauschen.
Insofern kann man wiederum überhaupt nicht von "Fehlern" reden: Die Praxis der Individuen ist doch keine Frage ihres richtigen oder falschen Überlegens, sondern von der höheren Gewalt entschieden. Mit ihren falschen Berechnungen folgen sie doch den Imperativen des Staates! Sie führen sich als Eigentümer auf, weil sie keine andere Wahl haben, an die Gegenstände des Bedarfs zu gelangen. Die bürgerliche Welt macht doch wahr mit der Verrücktheit, dass nicht die Theorie die Praxis, sondern die (erzwungene) Praxis die (falsche) Theorie bestimmt!!!
[diesen Punkt kann ich bei Bedarf noch weiter ausführen, er besteht in der Erklärung des Unterschieds von Aufklärung und Kommunismus.]
2. In der Staatstheorie - Kapitel 11 - wird daher die ganze Zeit so getan, als sei der Staat mit seiner Gewalt nicht der Grund der Verhältnisse, die er in seinem Inneren einrichtet - Heinrich wird doch wohl auch aus der Zone kommen und wissen, dass Kapitalismusexport eine Gewaltfrage ist - (obwohl Heinrich das an einer Stelle allen Ernstes und im Widerspruch zu seinen sonstigen Auffassungen schreibt, dass der Staat all das "konstituiert") sondern träte zu ihnen hinzu, erhalte sie aufrecht etc. Er argumentiert - richtig - dafür, die Trennung von Staat und Gesellschaft zur Kenntnis zu nehmen, macht sie selber dann aber falsch. So wie er das ganze trennt, wird ein unstaatlicher Kapitalismus behauptet.
Den Gedanken, dass der Staat Instrument sei, kritisiert er falsch, indem er die "Neutralität" behauptet, die zugleich dann wieder gar nicht Neutral ist, weil Staat ideeller Gesamtkapitalist; was aber viel wichtiger ist, er nimmt die Trennung passend zu PUnkt 1 so ernst, dass er allen Ernstes meint, der Staat würde als erste Leistung seiner Gewalt die Anerkennung fremder Eigentümer (die dafür aber bereits vorausgesetzt sein müssen) erzwingen (S.208 ). Dabei ist es doch so, dass er überhaupt ersteinmal alle zu Eigentümern m a c h t, bevor man überhaupt davon reden kann, dass er immerzu die von ihm geschaffenen Gegensätze a u f r e c h t erhält.
Also, Kurzfassung: Huisken irrt, wenn er meint, Heinrich würde die Kritik weglassen. Es stehen im Buch lauter korrekte Kritiken, und auch die Kritik am Alltagsbewußtsein ist - soweit ich es überblicken kann, jetzt mal großflächig betrachtet - korrekt. Der Witz ist ein anderer: Heinrich hat einen aufklärerischen Standpunkt, d.h. er will die Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien - und das ist allemal eine verkehrte Theorie über den Kapitalismus.
__________________ "Was könnte die kapitalistische Produktionsweise besser charakterisieren als die Notwendigkeit, ihr durch Zwangsgesetz von Staats wegen die einfachsten Reinlichkeits- und Gesundheitsvorrichtungen aufzuherrschen?" (Marx)
- Dieser Beitrag wurde zuletzt am 11.07.2005 um 06:02 Uhr editiert -
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11.07.2005 05:59 |
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Original von Micoud
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Das ist zunächst einmal sehr unglaubwürdig: Warum soll denn eine "Sache", bloß weil sich ihr ein Mensch unterwirft, auch auf einmal wirklich eine Zwangsmacht gegenüber dem Menschen sein? Wenn der es sich anders überlegt, müsste die Macht des "Fetisch" über ihn ja gebrochen sein. So ist es ja auch in der Religion, die Herr Heinrich - an Marx anlehend - auch zitiert. Kaum glaubt ein Mensch nicht mehr an Gott, ist die "Macht Gottes" über ihn, die es ja nie gab - es war doch nur sein Entschluß sich selbst zu erniedrigen - gebrochen. |
nur, wenn die gesellschaft das zulässt. stell dich mal vor der aufklärung auf n europäischen marktplatz und erkläre die nichtexistenz gottes. oder das gleiche heute in teheran. viel spaß!
| Zitat: |
Nur: Schon mal versucht, den "Fehler" sein zu lassen, mit Geld einzukaufen? Warum haben denn die Sachen eine Gewalt über die Leute? - Doch bloß deshalb, weil die "Menschen" eben nicht nur "Menschen" sind, sondern "Bürger", d.h. Leute, die in einem staatlichen Zwangszusammenhang stehen, in dem eine höhere Gewalt ihnen ihre Lebensbedingungen diktiert. Die zwingt sie zum Eigentum, und da bleibt ihnen gar nichts anderes übrig, als den "Fehler" zu begehen, zu tauschen.
Insofern kann man wiederum überhaupt nicht von "Fehlern" reden: Die Praxis der Individuen ist doch keine Frage ihres richtigen oder falschen Überlegens, sondern von der höheren Gewalt entschieden. Mit ihren falschen Berechnungen folgen sie doch den Imperativen des Staates! Sie führen sich als Eigentümer auf, weil sie keine andere Wahl haben, an die Gegenstände des Bedarfs zu gelangen. Die bürgerliche Welt macht doch wahr mit der Verrücktheit, dass nicht die Theorie die Praxis, sondern die (erzwungene) Praxis die (falsche) Theorie bestimmt!!! |
(nur mal so: theorien sollten immer durch die praxis bestimmt sein. oder definierst du praxis ausschließlich als handeln auf grund von theorien?)
ausserdem: die leute sind insofern schon sozialisiert, dass nicht in jedem supermarkt direkt n polizist stehen muss. die staatliche gewalt kann völlig im hintergrund sein; durch erziehung, ständige anwendung usw ist der fetischcharacter tatsächlich im bewußtsein der mesiten menschen
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[diesen Punkt kann ich bei Bedarf noch weiter ausführen, er besteht in der Erklärung des Unterschieds von Aufklärung und Kommunismus.]
2. In der Staatstheorie - Kapitel 11 - wird daher die ganze Zeit so getan, als sei der Staat mit seiner Gewalt nicht der Grund der Verhältnisse, die er in seinem Inneren einrichtet - Heinrich wird doch wohl auch aus der Zone kommen und wissen, dass Kapitalismusexport eine Gewaltfrage ist - (obwohl Heinrich das an einer Stelle allen Ernstes und im Widerspruch zu seinen sonstigen Auffassungen schreibt, dass der Staat all das "konstituiert") sondern träte zu ihnen hinzu, erhalte sie aufrecht etc. Er argumentiert - richtig - dafür, die Trennung von Staat und Gesellschaft zur Kenntnis zu nehmen, macht sie selber dann aber falsch. So wie er das ganze trennt, wird ein unstaatlicher Kapitalismus behauptet.
Den Gedanken, dass der Staat Instrument sei, kritisiert er falsch, indem er die "Neutralität" behauptet, die zugleich dann wieder gar nicht Neutral ist, weil Staat ideeller Gesamtkapitalist; was aber viel wichtiger ist, er nimmt die Trennung passend zu PUnkt 1 so ernst, dass er allen Ernstes meint, der Staat würde als erste Leistung seiner Gewalt die Anerkennung fremder Eigentümer (die dafür aber bereits vorausgesetzt sein müssen) erzwingen (S.208 ). Dabei ist es doch so, dass er überhaupt ersteinmal alle zu Eigentümern m a c h t, bevor man überhaupt davon reden kann, dass er immerzu die von ihm geschaffenen Gegensätze a u f r e c h t erhält. |
das konzept des "eigentums" ist aber halt weitaus älter als das des modernen staates. das findest du auch schon bei den römern. insofern tritt der moderne staat die nachfolge anderer, personaler herrschaftssysteme an, und installiert das eigentum nich erst selbst.
eigentum ist natürlich ohne gewaltverhältnisse wirklich nicht denkbar
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| Also, Kurzfassung: Huisken irrt, wenn er meint, Heinrich würde die Kritik weglassen. Es stehen im Buch lauter korrekte Kritiken, und auch die Kritik am Alltagsbewußtsein ist - soweit ich es überblicken kann, jetzt mal großflächig betrachtet - korrekt. Der Witz ist ein anderer: Heinrich hat einen aufklärerischen Standpunkt, d.h. er will die Menschen aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien - und das ist allemal eine verkehrte Theorie über den Kapitalismus. |
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| Zitat: |
Ich fühle mich an nichts von dem gebunden, was ich geschrieben habe. Ich nehme aber auch kein Wort davon zurück
Jean Paul Sartre |
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11.07.2005 11:38 |
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@ count
micoud hat insofern recht, dass man, wenn man in einer gesellschaft ohne zentrale staatsgewalt nicht mehr an den wert "glaubt", man sich die schen auch einfach durch direkte gewaltanwendung aneigenen könnte. wenn ich in den quasi-säkularen staaten in europa nicht an gott glaube, so hat er keine macht über mich, wenn ich aber den wert ablehne, werde ich im gefängnis landen.
es ist aber wichtig, dass der wert selber (bzw. der akt seiner realisierung -> der tausch) sich selbst die juristische form schafft(e): den vertrag.
Paschukanis mal wieder:
«Solange der Warenbesitzer sich nur als Warenbesitzer bewusst ist, hat er die ökonomische Beziehung des Tausches mit allen ihren weiteren Konsequenzen, die sich seinem Bewusstsein und Willen entziehen, noch nicht vermittelt. Diese Vermittlung (oder die Konstitution des Tauschwerts) vollzieht sich erst im Augenblick der Abmachung. Aber eine abgeschlossene geschäftliche Abmachung ist kein psychologisches Phänomen mehr; sie ist keine «Idee», keine «Form des Bewusstseins», sie ist eine objektive ökonomische Tatsache.»
siehe auch hier: http://kf.x-berg.de/forum/thread.php?thr...ght=Paschukanis
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11.07.2005 15:02 |
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Hm. Zunächst hört sich das, was Heinrich sagt und das, was du unter Punkt 1. an ihm kritisierst ganz ähnlich an:
"Häufig wird der Warenfetisch allein damit charakterisiert, dass die gesellschaftlichen Beziehungen der Menschen als Beziehungen von Dingen erscheinen (die Beziehungen der Tauschenden erscheinen als Wertbeziehung der ausgetauschten Produkte), so dass aus gesellschaftlichen Beziehungen scheinbar sachliche Eigenschaften werden. Belässt man es bei einer solchen Bestimmung, dann erscheint der Fetischismus als ein bloßer Irrtum: Die Menschen legen ihren Arbeitsprodukten falsche Eigenschaften zu und sehen nicht, dass hinter den Beziehungen der Dinge ”in Wirklichkeit” die Beziehungen von Menschen stehen. Fetischismus wäre dann eine Form ”falschen Bewusstseins”, welches die ”wirklichen Verhältnisse” bloß verschleiert. [Fußnote 18: ”Ideologie”, ein Begriff, den Marx im ”Kapital” höchst selten verwendet, wir häufig als solches ”falsche Bewusstsein” aufgefasst, zu dem dann auch der Fetischismus gehöre. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Ideologie und Fetischismus findet sich bei Dimoulis/Milios (1999).] Wenn dem so wäre, dann müsste mit der Aufklärung über die wirklichen Verhältnisse auch dieses falsche Bewusstsein verschwinden."
Hier sagt Heinrich das selbe wie du, oder? Micoud: "Wenn der es sich anders überlegt, müsste die Macht des "Fetisch" über ihn ja gebrochen sein."
"Wie der Warenfetisch ist auch der Kapitalfetisch nicht einfach nur ein falsches Bewusstsein oder bloßer Irrtum. Er hat vielmehr eine materielle Grundlage in der kapitalistischen Organisation des Produktionsprozesses:"
"Wenn der Fetischismus den Waren tatsächlich ”anklebt”, dann muss es sich um mehr handeln als nur ein falsches Bewusstsein, dann muss der Fetischismus auch einen tatsächlichen Sachverhalt ausdrücken. Und tatsächlich beziehen sich – unter den Bedingungen der Warenproduktion – die Produzenten nicht unmittelbar gesellschaftlich aufeinander; sie beziehen sich erst im Austausch aufeinander – und zwar vermittels ihrer Arbeitsprodukte. Dass ihre gesellschaftlichen Beziehungen als Eigenschaften von Dingen erscheinen, ist deshalb keineswegs eine Täuschung. Den Austauschenden, schreibt Marx, ”erscheinen daher die gesellschaftlichen Beziehungen ihrer Privatarbeiten als das, was sie sind, d.h. nicht als unmittelbar gesellschaftliche Verhältnisse der Personen in ihren Arbeiten selbst, sondern vielmehr als sachliche Verhältnisse der Personen und gesellschaftliche Verhältnisse der Sachen.” (MEW 23, S. 87; Hervorhebung M.H.)"
"Der bewusstlos produzierte Fetisch ist nicht einfach ein falsches Bewusstsein, sondern besitzt auch eine materielle Gewalt. Ob nämlich meine individuell verausgabte Arbeit als Bestandteil der gesellschaftlichen Gesamtarbeit anerkannt wird und in welchem Ausmaß dies geschieht, darüber gibt mir (bei Warenproduktion) eben nicht die Gesellschaft Auskunft, sondern nur der Wert meiner Ware im Tausch. Und von dieser Auskunft hängt mein Wohl und Wehe ab. Die Wertgrößen der Waren aber ”wechseln beständig, unabhängig von Willen, Vorwissen und Tun der Austauschenden. Ihre eigene gesellschaftliche Bewegung besitzt für sie die Form einer Bewegung von Sachen, unter deren Kontrolle sie stehen, statt sie zu kontrollieren.” (MEW 23, S. 89; Hervorhebung M.H.) Die Warenwerte sind Ausdruck einer übermächtigen, von den einzelnen nicht zu kontrollierenden Gesellschaftlichkeit. In einer Waren produzierenden Gesellschaft stehen die Menschen (und zwar alle!) tatsächlich unter der Kontrolle der Sachen, die entscheidenden Herrschaftsverhältnisse sind keine persönlichen, sondern ”sachliche”. Diese sachliche Herrschaft, die Unterwerfung unter ”Sachzwänge”, existiert aber nicht etwa, weil die Sachen an sich bestimmte Eigenschaften besitzen würden, die diese Herrschaft hervorbringen, oder weil der gesellschaftliche Verkehr diese sachliche Vermittlung zwingend erfordern würde, sondern nur deshalb, weil sich die Menschen in einer besonderen Weise auf diese Sachen beziehen - nämlich als Waren.
f. Dass sich diese sachliche Herrschaft und die Vergegenständlichung gesellschaftlicher Beziehungen zu sachlichen Eigenschaften einem bestimmten Verhalten der Menschen verdanken, ist für das Alltagsbewusstsein nicht sichtbar."
Ständig wiederholt Heinrich der Warenfetisch sei nicht bloß falsches Bewußtsein, sondern stattdessen noch was anderes: 1. materielle Gewalt, weil im Tausch die Ware bewertet wird. 2. Ausdruck einer übermächtigen, unbewußten Gesellschaftlichkeit. 3. kontrolliert nicht nur durch unbewußte Gesellschaftlichkeit, sondern durch Sachzwänge 4. gibt es die sachliche Kontrolle aber bloß wegen dem Verhalten der Menschen als Warenbesitzer. Der Zirkel ist nun komplett. Warum richten sich die Menschen nach dem Warenfetisch? - Weil er objektiv ist. Und warum ist er objektiv? - Weil sie ihn in ihrem Verhalten selber herstellen? Sie richten sich also nach dem Warenfetisch, weil sie sich fetischhaft zu den Waren verhalten. Aber das wissen die Menschen nicht und deshalb machen sie es.
Wenn sie es nicht wissen, scheint es sich dann wohl doch um falsches Bewußtsein zu handeln. Wahrscheinlich leitet Heinrich deshalb jeden Gedanken zum Warenfetisch als Dementi ein, weil man diese Konsquenz aus seinem Gedanken, dann doch nicht ziehen soll.
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11.07.2005 15:21 |
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"Ständig wiederholt Heinrich der Warenfetisch sei nicht bloß falsches Bewußtsein, sondern stattdessen noch was anderes: 1. materielle Gewalt, weil im Tausch die Ware bewertet wird. 2. Ausdruck einer übermächtigen, unbewußten Gesellschaftlichkeit. 3. kontrolliert nicht nur durch unbewußte Gesellschaftlichkeit, sondern durch Sachzwänge 4. gibt es die sachliche Kontrolle aber bloß wegen dem Verhalten der Menschen als Warenbesitzer. Der Zirkel ist nun komplett. Warum richten sich die Menschen nach dem Warenfetisch? - Weil er objektiv ist. Und warum ist er objektiv? - Weil sie ihn in ihrem Verhalten selber herstellen? Sie richten sich also nach dem Warenfetisch, weil sie sich fetischhaft zu den Waren verhalten. Aber das wissen die Menschen nicht und deshalb machen sie es.
Wenn sie es nicht wissen, scheint es sich dann wohl doch um falsches Bewußtsein zu handeln. Wahrscheinlich leitet Heinrich deshalb jeden Gedanken zum Warenfetisch als Dementi ein, weil man diese Konsequenz aus seinem Gedanken, dann doch nicht ziehen soll."
Genau!!!! (hinter dem "selber herstellen" muß ein Ausrufezeichen)
Die Ergänzung ist wichtig: Er sagt ja wirklich ständig "nicht bloß". Also in erster Linie: "falsches Bewußtsein ist der Witz am Kapitalismus", und somit nicht "der Wert ist hier der Produktionszweck und alles ist dem unterworfen".
Und, wie du ja auch schreibst, ist sein Dementi die ganze Zeit letztlich nur der ´Rückfall´auf seinen Ausgangspunkt "von Menschenhand gemacht".
Zusammengefasst kann man nun doch sagen: Aus der Bedingung der Fortexistenz dieser Verhältnisse, dem falschen Bewußtsein der Leute, macht er den Grund dafür, dass es sie gibt - oder?
Dann ist das "Etikett" von mir doch richtig gewählt, oder? Man kann Heinrich doch als "Aufklärer" bezeichnen, oder was meinst du?
Dann würde sich für mich nämlich die "emanzipatorische Seite" am Heinrich, das vernünftige an seiner Argumentation, wo halt ständig richtige Argumente stehen, erklären; ebenso wie sich das dann ständig wieder an seiner Vorstellung, dass da Sachen Gewalt haben, weil Menschen sie ihnen verleihen und dann drauf reinfallen, aber zugleich haben die Sachen auch wirklcih "materiell" Gewalt und sind mehr als Sachen und zwar das, was die leute in sie reindenken, was sie zugleich nicht sind..... also dass dieser Verhau ständig wieder aufgeworfen wird. Und selbst bei dieser absurden Frage bringt er ja richtige Argumente, selbst da ist er ja - wie ich finde - erstaunlich sachlich. Da kann man richtig was lernen.
Man muß also zu Heinrich in die Veranstaltungen, sich mit ihm streiten und Flugblätter rausbringen, die auch mal die richtigen Argumente von ihm würdigen - denn was soll man schon gegen richtige Argumente haben!!!! - und zugleich klar machen, welcher Logik sein Fehler folgt, was er sich damit verstellt etc.
Am besten man zeigt ihm seine immanenten Widersprüche auf - für einen "Mann der Wissenschaft" ist das nämlich ein Argument! (Eben nach dem Motto: Was denn nun, einerseits alles von Menschenhand geschaffen, nun aber sind die Sachen die Herren? Haben die selbst Macht, oder ist nur das Bewußtsein so blöd, und daraus folgt die Macht der Sachen? Und wozu braucht es dann einen Staat, der das alles "aufrechterhält", wenn die Dummheit der Leute schon ausreicht für die Macht der tanzenden Tische...) Und ich denke auch für die Leute, die in seinen Veranstaltungen sitzen und genau das an ihm schätzen.
Man könnte ihm auch mal die Frage aufwerfen, was der Unterschied zwischen einem Fehler und einem Schaden ist. Würde mich echt interessieren, was der dazu sagen würde. Und warum seiner Meinung nach denn nun der Kapitalismus abgeschafft gehört. (das muß ich nochmal im Buch genauer lesen)
__________________ "Was könnte die kapitalistische Produktionsweise besser charakterisieren als die Notwendigkeit, ihr durch Zwangsgesetz von Staats wegen die einfachsten Reinlichkeits- und Gesundheitsvorrichtungen aufzuherrschen?" (Marx)
- Dieser Beitrag wurde zuletzt am 11.07.2005 um 18:56 Uhr editiert -
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11.07.2005 18:29 |
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Inhaltlich bin ich mit dir einig. Das Aufklärenwollen ist für sich ja nichts schlechtes, wenn es mit den richtigen Argumenten geschieht. Heinrich bestimmt aber die Rolle der Staatsgewalt falsch und so erscheint der Kapitalismus als durch das Verhalten seiner Teilnehmer zu Stein gewordenes Gesellschaftsgebäude, das durch diese Versteinerung objektive Gewalt über seine Insassen erhält. Also braucht es kommunistische Trompeten von Jericho, die die Mauern zum Einsturz bringen, indem sie alle von ihrem falschen Warenverhalten überzeugen, was schließlich in einen revolutionären Umsturz mündet. Heinrich macht sich da ziemliche Illusionen über seine Gegner. Die Gesellschaft, die er zu revolutionieren gedenkt, ist kein unpersönlicher Kapitalismuseisberg, den man mit Argumenten bloß zum Schmelzen bringen müsste.
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11.07.2005 22:04 |
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| Zitat: |
Original von shenlin su
Vielleicht gelingt er jedoch anders. Einen Gegenbeweis hat Heinrich ja auch nicht geliefert. |
Richtig. H. bleibt da sehr formal.
| Zitat: |
Marx sagt ja der tendenzieller Fall der Profitraten sei nur ein anderer Ausdruck für eine größere Produktivkraft der Arbeit bzw. einer anderen organische Zusammensetzung des Kapitals. Der TdfdP ist also auch nicht die Ursache, sondern das Resultat einer Entwicklung. Nach diesem "Gesetz" richtet sich nichts, es beschreibt nur die Gesetzmäßigkeit eines Resultats. Die Vergrößerung von c gegenüber v wird in der Überlegung vorausgesetzt. |
Was nicht unproblematisch ist.
Die Erhöhung der Mehrwertrate ist eine entgegenwirkende Ursache die beschränkt ist, da n Arbeiter stets weniger als n*24 h Mehrarbeit leisten. Wenn demgegenüber c/v ständig steigt, tritt zwingend irgendwann ein FdP ein.
Allerdings muss dies (c/v steigt) vorausgesetzt sein. Nun gibt es wissenschaftlich-technische Neuerungen, die c ständig verbilligen (Marx geht darauf auch bei den entgegenwirkenden Ursachen in MEW 25 ein, allerdings nur kurz). Allerdings wird auch v verbilligt, und in der Folge ist es IMHO tatsächlich nicht möglich, den tendenzieller Fall der Profitraten "mathematisch" herzuleiten. Soweit hat H. schon recht. Marx braucht trotzdem nicht unrecht zu haben. Er hat schließlich nicht umsonst ein "t" vor den FdP gesetzt. Ich denke, diese ewige tFdP-Debatte ist ohnehin schief gelagert. Der eine will gern ein ( => FdP Q.E.D. ) herleiten, der nächste tröstet sich über Niederlagen und Grausamkeiten mit dem "wissenschaftlichen Beweis" der Erlösung hinweg, wieder andere begründen damit untätiges Warten usw. Dies ist keine Debatte, die ich sonderlich spannend finde.
Wichtig ist, dass die Profitrate permanent unter Druck ist. Einen Beweis, der sämtliche Eventualitäten a priori enthält kann es sowieso nicht geben. Soll heissen: Das ideale kapitalistische Prinzip ist in den letzten 150 Jahren dermassen unterhöhlt und perforiert worden, dass bspw. "Profitrate per Erlaß" denkbar ist. 'Analyse des idealen Schnitts' von vor 150 Jahren muss sowas stets bedenken, will sie tatsächliche Gesellschaftskritik sein.
Aber ich sehe schon, ich schweife ab, jaja. Schönes Wetter, Klo kaputt, Ausweis abgelaufen, Schnapsvorrat ++, Socken stinken, das Essen schmeckt trotzdem.
Viele Grüsse [unleserlich]
PS: Skeptizismusvorwürfe bitte an /dev/null
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12.07.2005 16:03 |
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| MG zur Zusammenbruchstheorie |
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| Zitat: |
Original von shenlin su
Danke für den Verweis. Ich stell mal die strittige Stelle zum tendenziellen Fall der Profitrate hier rein. Vielleicht äußert sich jemand dazu |
Zwar nicht dazu, aber doch zum Thema: Im folgenden ein Auszug aus Peter Deckers Vortrag über Marxismus von 1990:
"Zusammenbruchstheorie ist so etwas wie die Tendenz, die Tendenz in Marx Krisenargumente hineingelesen. Mal der Sache nach: Kommt weiter unten, die Produktivkräfte rebellieren gegen die Produktionsverhältnisse, das merkt man an den Krisen und am Fall der Profitrate.
Jetzt muß ich das einfach mal ein wenig erklären: Wie geht das mit dem Fall der Profitrate? Das geht so, daß die Kapitalisten die Produktionskosten - und die entscheiden ja über ihre Position in der Konkurrenz - dadurch senken, daß sie immer mehr tote Arbeit anwenden und lebendige ersetzen. Ein kompliziertes Wort für die allen bekannte Rationalisierung, mit einer Maschine kann man einen Lohnarbeiter ersetzen. Dann produziert man billiger als die Konkurrenz und kann sein Produkt günstiger verkaufen. Das hat nun aber einen Effekt: Die Aneignung von Arbeit, die immerhin den Mehrwert ausmacht, wird damit pro Kapital immer geringer. 100 Mark Kapital beschäftigen immer weniger Arbeiter und immer mehr Maschinen. Daß dem so ist, das es schon den Arbeiter braucht, der die Arbeit macht und ausgebeutet wird, damit ein Profit entsteht, merken die Unternehmer daran, daß, wenn die höhere Stufe der Produktivität erreicht ist, dann verlieren sie ihren Vorteil, dann produzieren eben alle so billig und der Wert der Ware sinkt. Der Vorteil, mit dem sie angefangen haben, ist beendet, der Nachteil, daß man insgesamt weniger Arbeit produziert, also weniger für die Arbeiter verlangen kann als früher, der bleibt. Damit sinkt die sogenannte Profitrate. Wie schaut das aus, d.h. die Profitrate sinkt, es braucht immer mehr Kapital, um einen Arbeiter arbeiten zu lassen. Auch kein Geheimnis übrigens, das kann euch jeder erzählen im Westen, es wird bei uns nur so absurd verdreht ausgedrückt: Die Arbeitsplätze werden immer teurer. Ich sage euch, warum das absurd verdreht ist: Weil es ja nicht so ist, das den Menschen Arbeitsplätze gekauft werden, so daß dann der Unternehmer sagen muß: Ich kaufe dir einen Arbeitsplatz, aber die sind gerade so teuer. Es ist doch gerade umgekehrt: Er stellt Arbeitsplätze in, weil es sich lohnt. Sie sind also gar keine Wohltat an den Arbeiter, insofern ist die ganze Ausdrucksweise ideologisch. In ihr drückt sich aber eine Sache aus: Früher konnte man in einer Maschinenfabrik für 100.000 DM die Mittel beschaffen, mit denen ein Arbeiter seinen Arbeitstag verrichtet. Und heute braucht man für genau daßelbe eine Million. Das heißt, immer mehr Kapital beschäftigt relativ gesehen immer weniger Arbeit. Das ist das Gesetz.
Das Gesetz ist einerseits ein Gesetz der Arbeitslosigkeit, die gibt es. Und es hängt vom Wachstum des Kapitals ab, ob es schneller wächst als es Leute freisetzt. Und, hier sage ich gleich die Auflösung an dieser Stelle: Die kapitalistischen Gesellschaft ist so frei, mal mit höherer Progression wachsen zu lassen, mal mit niedriger und mal mit paralleler. Wenn die Rate des Wachstums des Kapitals überhaupt niedriger ist als die Rate, mit der sie die Leute auf die Straße setzen, dann nehmen die Arbeitslosenzahlen zu. Umgekehrt umgekehrt. Es haben die alten Sozialisten, speziell Rosa Luxemburg, daraus gelesen: Also läuft das auf einen Endpunkt zu. Der Endpunkt heißt: Immer riesigere Kapitale beschäftigen immer mehr Leute und stehen immer größeren Arbeitslosenheeren gegenüber. Und dagegen muß ich zwei Einwände machen: Der eine Einwand heißt: Da hat sie ja glatt vergessen, daß das Kapital ja auch noch wächst. Da hatte sie zweitens vergessen, daß ein Kapitalist gar kein Fanatiker der Mehrwertrate ist, und sagt, wenn dann nur noch 3% rauskommen, dann taugt das nichts mehr. Der Kapitalist ist doch ein Anhänger der Mehrwertmasse: Wenn die Rate sinkt, sagt der Kapitalist, dann muß ich eben noch mehr aufwenden. Und das steht übrigens bei Marx in seinem Buch drin, dieser Prozeß, der zum sogenannten Fall der Profit rate führt, führt bleibend und immerzu zum Wachstum der Profitmasse. Der Unternehmer wird reicher, also für ihn wird der Prozeß nicht sinnlos. Für wen soll er dann sinnlos werden? Für die Arbeiter eventuell, wie schaut es nach der Seite hinaus?
Machen wir es mal mit einfachen Gedankenketten: Für die Arbeiter meinetwegen schaut es so aus, daß der Fortschritt der Produktivkräfte immer mehr Arbeitslosigkeit bedeutet. Wozu führt das? Da sage ich, automatisch führt das dazu, daß die Arbeiter billiger werden, so sehr, daß sogar der Fortschritt der Einführung neuer Maschinerie gebremst wird, weil das Lohnen der Investitionen herabgesetzt wird und die billige Arbeit manche altertümliche Maschine wieder in ihr Recht setzt. Das erleben wir gerade in der DDR. Das ganze Gerede, bei euch gibt es nur Schrott, das ist ganz und gar und unehrlich. Man muß diesen Schrotthaufen nur billig genug kaufen, dann taugt er sofort. Eine 30 Jahre alte Maschine, da wird drüber geredet: Was? 30 Jahre alte Maschine? Das sagt ja wohl alles! Wenn die billig genug zu haben ist, und die Löhne auch billig genug sind, dann ist eine 30 Jahre alte Maschine gerad so ein schönes Profitmittel wie ein modernes staubfreies Computerzentrum. Es ist nicht wahr, daß es so etwas wie einen absoluten Drang nach Modernität gäbe.
Also zurück, für den Kapitalisten ist es kein Problem: steigt die Profitmasse, wenn die Profitrate sinkt, dann muß er halt schauen. Könnte es für die andere Seite ein Problem sein, für die Arbeiter? Die Arbeitslosen werden mehr. Und da sage ich: Das hängt voll davon ab, was die Leute daraus für einen Schluß ziehen. Wenn sie den Schluß daraus ziehen: Die Arbeitslosen werden mehr, oh Gott, ich brauche Arbeit! Dann gelten die Gesetze des Kapitals bruchlos. Die heißen nämlich: Alle müssen sich billiger anbieten. Dann lohnt es sich für den Unternehmer wieder, und die Arbeitslosenzahlen sind dann so hoch, wie sie eben gerade immer ausfallen. Wenn die Leute natürlich an dieser Stelle sagen: Was ist denn hier los, wir haben eine Produktivität, wo man eigentlich nur noch drei Stunden am Tag arbeiten müßte, in Saus und Braus leben könnte, und dies dient in unserer Gesellschaft dazu, daß 10% arbeitslos sind, und die anderen die 40 Stunden runterreißen, (und manchmal übrigens auch 50, selbst bei 35-Stundenwoche). Das halten wir für absurd! Ja, dann müssen sie den Prozeß abstellen, wenn sie ihn für absurd halten.
Aber zu glauben, der Prozeß selber würde zu seinem Endpunkt führen, davon ist bei einer Lektüre vom Fall der Profitrate, seiner Gesetze, und seiner gegenwirkenden Tendenzen, davon kann einfach keine Rede sein. Man muß dies Zeug einfach mal lesen, da steht drin: der Fall der Profitrate führt zu Krisen. Aber Krisen sind gerade das Gegenteil von dem, was sich damals die Rosa Luxemburg darunter vorgestellt hat: Zeichen, daß es mit dem Kapitalismus nicht mehr weitergeht. Krisen sind das Gegenteil, Krisen sind: Die Akkumulation der Produktionsmittel, des Kapitals, ist rücksichtslos gegen das eigene Prinzip gewesen. Es sind Produktionsmittel produziert worden, die man nicht braucht, es sind Waren produziert worden, die nach Berechnungsweise des Kapitals nicht gekauft werden können. Es sind Menschen vorhanden, die nach Berechnungsweise des Kapitals nicht benutzt werden können. Und wozu führt das, die Krise? Die führt dazu, daß das Produzieren unterbleibt, weil es sich für den Profit nicht lohnt. An dieser Stelle: die Krise ist nicht der Totengräber des Profit, sondern die Krise ist das Zeichen, wie bedingungslos der Profit regiert. In der Krise wird alles nichtig, wenn es für den Profit nicht taugt. Auf alles ist geschissen, auf Leute, die arbeiten könnten, und für sich müßten, aber gerade nicht gebraucht werden, da sollen sie schauen, wo sie bleiben, auf den konkreten Reichtum, auf eine fertige Fabrik, die kein wunderbare Tret-Boote machen, wenn die sich nicht für Gewinn verkaufen lassen, dann ist der konkrete Reichtum, die Fabrik, nichts wert. Und die Krise führt dadurch, daß das Produzieren unterbleibt, oder sagen wir es noch anders: Dadurch, daß in der Krise das Produzieren unterbleibt, betreibt er Kapitalist die bedingungslose Erpressung der Gesellschaft, die ihm zu dienen hat, er sagt nämlich, die notwendige Reproduktion unterbleibt, die Herstellung von Lebensmitteln, Konsumgütern, Transportmitteln, und so weiter, all das unterbleibt, wenn es sich für mich nicht lohnt. Und wie antwortet ihm die Gesellschaft darauf? Scheiße, sagen sie. Dann geht die Krise ein bißchen ins Land: Der eine Kapitalist geht wirklich pleite, weil, der kann wirklich nicht mehr verkaufen, der andere kann aufkaufen, weil der Pleite Gegangene ein billig aufzukaufender Konkurrent ist. Die Arbeiter sind arbeitslos und liegen auf der Straße, und die Zeit, mit der dieser Zustand ins Land geht, wirkt als erfolgreiche Erpressung der Gesellschaft: Alle Daten der Ökonomie rearrangieren sich so und solange, bis es wieder lohnend ist, zu produzieren. Krise ist also der Gegensatz von dem Satz: Mit dem Kapitalismus geht es nicht mehr gut. Die Krise ist im Interesse des Kapitals, im Interesse davon, daß es mit dem Profit weitergehen muß, wird alles rearrangiert. Alles ist in der Weise aus den Fugen geraten, allem wird ein Wert zugeschrieben, der sich mit dem Wert und seiner Vermehrung nicht verträgt. Also wird der Wert von Allem gestrichen, damit die Verwertung klappt. Das kennt der reale Sozialismus übrigens auch: Es gibt die zyklischen Krisen, und daneben gibt es, so wird behauptet, die Krise des Kapitalismus. Die zyklischen, die behandelt er, wie ich das jetzt besprochen habe. Da wird auch jeder sagen: Ja, ja das habe ich gelernt, solche gibt es. Aber damit will man sich nicht begnügen, man will sagen, es gibt die zyklischen Krisen, aber die sind ja nicht das Entscheidende, das Entscheidende ist die Krise des Kapitalismus. Und wenn du jetzt wieder fragst, was soll denn damit gemeint sein? Letzten Endes kommen sie wieder auf die zyklischen Krisen zurück: das siehst du doch, daß die Krise des Kapitalismus, immer größer, immer unausweichlicher, immer härter wird! Woran? An den zyklischen Krisen, ihren Rhythmus, ihrer Tiefe, ihrer Tragweite, und so zu."
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13.07.2005 23:07 |
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Dass der tendenzieller Fall der Profitraten zum Zusammenbruch des Kapitalismus führt, hat nun wirklich niemand behauptet, noch nicht mal Heinrich. Heinrich widerlegt einen Beweis von Marx und meint damit das Gesetz des tendenzieller Fall der Profitraten widerlegt zu haben.
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14.07.2005 01:11 |
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hat jemand heinrichs "die wissenschaft vom wert" (((hier)))gelesen?
da ich an dem text größeres interesse habe, als an seiner einführung: lohnt es sich?
__________________ Ob sie das Landesverrat nennen, was wir tun, ob sie uns beschuldigen, Antideutsche zu sein, Vaterlandsverräter und Staatsfeinde, das ist alles völlig unerheblich, wir haben sie nicht gefragt.
Kurt Tucholsky
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19.08.2005 14:20 |
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...lohnt sich sogar mehr als die Einführung.
__________________ Die kapitalistische Produktion entwickelt daher nur die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses,indem sie zugleich die Springquellen allen Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter
ISBN 3-89657-588-0
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19.08.2005 16:35 |
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